Eine bislang einmalige Sanierungsmaßnahme hat die Eisenbahn-Bauverein Elberfeld eG (ebv) in diesem Jahr in einem Gebäude in der Gersten- und Hopfenstraße erfolgreich abschließen können. Einmalig deshalb, weil bisher noch nie eine energetische Sanierung in einem bewohnten Gebäude durchgeführt wurde. Lediglich eine Wohnung stand leer und konnte als Baustellenbüro genutzt werden.
Der ursprüngliche Auslöser für die Sanierung war eine Brandschau der Feuerwehr, welche die Notwendigkeit hervorbrachte, für vier nicht über Leitern zu erreichende Wohnungen einen zweiten Rettungsweg mittels einer Anbautreppe herzustellen. Bei dieser Gelegenheit wurde beschlossen, die Podeste der Rettungstreppe etwas größer zu gestalten, sodass die Wohnungen einen Balkon erhalten und dadurch immens aufgewertet werden. Für das Betreten der Balkone und der Rettungstreppe war die Vergrößerung der Fensteröffnung und der Einbau einer Balkontür erforderlich. Die bis dahin angedachte Maßnahme bedeuteten somit bereits einen großen Eingriff in die Fassade. Im Sinne des Klimaschutzes stellt die ebv die Gebäude, in denen eine so umfangreiche Baumaßnahme ansteht, auf den energetischen Prüfstand. Dieser Prüfung wurde dann auch die betroffene Immobilie unterzogen und ergab eine veraltete und nicht mehr effiziente Anlagentechnik mit hohem CO2-Auststoß, große Energieverluste durch die ungedämmte Gebäudehülle und die dadurch schlechte Energieeffizienz. Eine energetische Sanierung war somit mehr als sinnvoll, sodass beschlossen wurde, die Not zur Tugend zu machen: Das Gebäude sollte nicht nur an die aktuellen Brandschutzvorgaben angepasst, sondern zudem auch klimatechnisch auf einen modernen Stand gebracht werden. Darüber hinaus kann durch eine derartige Sanierung auch noch eine Steigerung der Wohnqualität erreicht werden.
Ein Team aus Fachingenieur*innen und Architekt*innen unterstützte die ebv daher bei der Planung und Durchführung folgender Maßnahmen:
Die meisten Wohnungen wurden bis zur energetischen Sanierung mit einer sogenannten Gaskombieinzeltherme versorgt, die sowohl für Warmwasser als auch für die Heizleistung verantwortlich und an einen der fünf Schornsteine angeschlossen war. Die Umrüstung von den Einzelthermen auf eine Zentralhybridheizung machte es erforderlich, den Gasanschluss jeder einzelnen Wohnung zurückzubauen und die Schornsteine bis zur Oberkante der obersten Geschossdecke (Speicher) abzubrechen. Die Thermen in den Wohnungen wurden an gleicher Stelle durch sogenannte Thermenersatzstationen ersetzt. Bis zur vollen Funktionstüchtigkeit der neuen Anlagentechnik erfolgte die Warmwasseraufbereitung über eine Mobile Versorgungsanlage. Die Heizungen wurden sukzessiv, strangweise und somit nur mit ganz kurzer Unterbrechung an die neue Heizzentrale angeschlossen. Die Mieterschaft im Haus wurde frühzeitig durch schriftliche Mitteilungen aber auch eine Mieterversammlung vor dem Baubeginn in alle Planungen mit einbezogen und auch während der Maßnahme laufend informiert. Auch wenn die Wohnqualität während der Bauphase eingeschränkt war, gab es dank eines guten Mieter*innen-Managements kaum Probleme. Der übergeordnete Zweck war, durch die Maßnahmen CO2 zu sparen. Ob sich die energetische Sanierung auch positiv auf die Verbräuche der Nutzer*innen auswirkt, bleibt gerade mit Blick auf den bewegten Energiekostenmarkt abzuwarten. Der gute Verlauf der Sanierungsmaßnahme ermutigt uns jedenfalls, auch weiterhin in den Klimaschutz zu investieren.