Der Glücksbote

Bei Théo

Wer da?

In guten Hausgemeinschaften, wie sie in den Häusern der ebv meist gepflegt werden (und für die wir vieles tun), ist Nachbarschaftshilfe oft eine Selbstverständlichkeit: Man kennt sich, und man hilft sich.

Wenn es in der Nacht vor Allerheiligen an der Tür klingelt, kann es aber sein, dass es nicht der Nachbar ist, dem der Zucker oder das Mehl ausgegangen ist: Möglicherweise sind es Kinder, die Süßes einfordern – und mit „Saurem“, also mit Streichen, drohen, wenn dieses Begehren nicht erfüllt wird. Den meisten Kinder dürfte bekannt sein, dass dieser Brauch aus den USA nach Deutschland gekommen ist. Was sie aber wohl nicht ahnen (und was ihnen vermutlich auch herzlich egal wäre): Seinen Ursprung hat Halloween im katholischen Irland, wo es schon vor vielen Hundert Jahren gefeiert wurde. Die genaue Entstehung ist umstritten. Als sicher gilt aber, dass spätestens ab dem 16. Jahrhundert die Armen am Abend vor Allerheiligen (daher der Name „All Hallows' Eve“ für „Allerheiligenabend“) kostümiert von Tür zu Tür gingen, um Lebensmittel zu erbitten – und auch schon einmal das Haus verwüsteten, wenn der Bitte nicht nachgekommen wurde. Irische Auswanderer nahmen die Tradition im 19. Jahrhundert in die USA mit, wo sie sich nach und nach verselbstständigte und veränderte. Auch der Brauch, ausgehöhlte Kürbisse aufzustellen, kommt eigentlich aus Irland – dort waren es allerdings Rüben, aus denen man Leuchten schnitzte, um den Teufel fernzuhalten. In den USA wurde die Rübe durch ein landestypischeres Gemüse ersetzt: den Kürbis, dessen runde Form dazu animierte, Fratzen zu schnitzen.

Im 20. Jahrhundert wurde Halloween immer populärer und fand seinen Weg schließlich auch in andere Länder. US-amerikanische Filme und Serien hatten einigen Anteil daran (sehen eigentlich auch Igel Fernsehen? Oder Netflix?). Und so ziehen seit etwa Anfang der 1990er-Jahre auch hierzulande die Kinder in schön-schaurigen Verkleidungen am Vorabend vor Allerheiligen von Haus zu Haus und von Wohnung zu Wohnung. In Deutschland bleiben die Streiche zum Glück relativ harmlos und fröhlich, während sie in den USA unter dem Motto „Trick or Treat“ auch schon einmal etwas heftigere Formen annehmen können. Rund um dieses Fest ist eine ganze Industrie entstanden – mit Kostümen, Gimmicks und speziellen Süßwaren, die schon Wochen vorher in der Werbung angepriesen werden. Wer das alles als zu kommerziell ablehnt, aber trotzdem Lust auf Klingeln an fremden Türen und auf Süßigkeiten hat, kann einfach ein paar Tage warten: Am Martinstag im November gibt es beim „Martinssingen“ eine weitere Gelegenheit dazu – die ganz auf einheimischen Traditionen beruht. Aber das ist eine andere Geschichte…