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Jugendförderung

Run aufs Brett

23. August 2021 –

Trendsportart Schach? Das vielleicht nicht, aber die Netflix-Serie „Das Damengambit“ hat dem vermeintlich altmodischen Brettspiel auch in Deutschland eine neue Popularität beschert. Als Vorteil während der Corona-Lockdowns erwies sich, dass man Schach auch virtuell zu Hause am Computer spielen kann. Aber auch der Verkauf von Schachbrettern etwa auf eBay zog deutlich an. Eine gute Anlaufstelle für Schach-Interessierte in Wuppertal ist der Bahn-Schachclub Wuppertal. Und wie in der Serie gibt es auch hier ein junges Talent, das für Furore sorgt.

Es war eine Gruppe von achtzehn Schachspielern, die den Verein 1992 unter dem Namen „Bahn-Sozialwerk – Schachgruppe Wuppertal“ als Abspaltung von der Elberfelder Schachgesellschaft gründete. 2008 erfolgte aus rechtlichen Gründen die Umbenennung in „Bahn-Schachclub Wuppertal“. Joachim Müller, ein früherer Mitarbeiter der Bahn, gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Er hat den Verein viele Jahre geleitet und ist danach zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden. „Man muss nicht Eisenbahner sein, um in diesem Club zu spielen. Er ist für alle Menschen offen“, sagt Müller. „Das verbindet uns mit der ebv.“ Mittlerweile ist der Club mit 87 Mitgliedern, darunter – leider – nur zwei Damen, der größte und erfolgreichste Schachverein in Wuppertal.

Aushängeschild ist die 1. Mannschaft, die in der NRW-Oberliga (3. Liga) spielt und damit das sportlich erfolgreichste Team in Wuppertal stellt. Den erhofften Sprung in die zweite Bundesliga haben „die Bahner“, wie man sie in der Schachszene nennt, leider nicht geschafft. Nachdem die Oberliga-Saison 2019/20 im März 2020 Corona-bedingt unterbrochen werden musste, konnte die Runde nach 15 Monaten Zwangspause erst im Juni 2021 zu Ende gespielt werden. Da die sonst aus der Ukraine zustoßenden Meister wegen der Corona-Beschränkungen nicht einreisen durften und auch zwei weitere sehr gute Spieler aus privaten Gründen passen mussten, ging das entscheidende Match gegen die SF Katernberg leider verloren – wenn auch sehr knapp mit 3,5:4,5 Punkten. Der erst 14 Jahre alte Eren Cakir lieferte dabei das Spiel seines bisherigen Lebens ab und besiegte einen nominell viel stärkeren Gegner. Ob er auch einmal so eine Karriere wie Damengambit-Protagonistin Elizabeth „Beth“ Harmon hinlegen wird? Wir werden es sehen! Zusammen mit Eren spielen derzeit rund zwanzig Kinder und Jugendliche in der Jugendabteilung. Mehrere von ihnen sind in den letzten drei Jahren schon Niederrheinmeister geworden.

Endlich zurück am Brett

Nachdem das Vereinsleben lange brach lag und damit auch die Schachspiele über Monate hinweg nur virtuell stattfinden konnten, trainieren die Bahner seit Anfang Juli 2021 wieder jede Woche Freitag in den Quartiersräumen des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums, die man als gemeinnütziger Sportverein kostenlos nutzen darf. Die Youngsters kommen um 17 Uhr und haben eigene Betreuer. Im August hat das Jugendtraining mit dem neuen professionellen Jugendtrainer Thomas Michalczak begonnen. Wer von den Jugendlichen möchte, kann danach bleiben und ab 19 Uhr gegen die Senioren mitspielen.

Joachim Müller ist froh, dass man sich jetzt wieder in Präsenz treffen und messen kann: „Im Internet gibt es zwar ein gutes Angebot, um digital Schach zu spielen, aber der Kampf face-to-face ist oft spannender, da auch die psychologische Beeinflussung des Gegners ihren Reiz hat.“ Außerdem sei im Internetschach das Mogeln leichter. Das digitale Schachspiel ermögliche es allerdings auch, sich in kürzerer Zeit auf Partien vorzubereiten, da man beispielsweise leichter an Eröffnungstheorien herankommt und nicht mehr in Büchern mühsam und zeitaufwändig stöbern muss.

ebv engagiert sich

Die ebv hat den Verein jetzt mit einer Spende in Höhe von 1.000 Euro unterstützt. Das Geld soll in erster Linie dafür verwendet werden, die Jugendarbeit zu verbessern und dadurch den Verein attraktiver für Kinder und Jugendliche zu machen – die Verpflichtung des Jugendtrainers wurde nicht zuletzt hierdurch möglich.

Sie haben Interesse, mit anderen Menschen Schach zu spielen, und das nicht nur virtuell? Dann nehmen Sie doch mit Klaus Michalik (Telefon tagsüber 0202/446492) Kontakt auf – oder schauen Sie freitags einfach mal im Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium rein. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie gerade erst mit dem Schachspielen angefangen haben oder fast schon Profi sind.

Mehr Informationen etwa zu Veranstaltungen finden Sie unter www.bsc-wuppertal.de.